• Vogelsang-Präludien


    Tanz: Nils Freyer | Klavier: Ulrike Buschendorf

    Einstudierung: Manfred Schnelle | Choreographie: Marianne Vogelsang

     

     

     

    Marianne Vogelsang, 1912 in Dresden geboren, war Schülerin von Palucca und gehört zu den Pionieren des Ausdruckstanzes. Von 1971 bis 1973 choreographierte sie als ihr letztes Werk die „Fünf Präludien“ und widmete sie dem Tänzer Manfred Schnelle.

     

    Die Choreographien setzen sich auf subtile Weise mit Bachs Werk auseinander und entsprechen seinem Vorgehen, aus wenigen Elementen ein großes Ganzes zu schaffen.

     

    Prof. Dr. Ralf Stabel schreibt derzeit eine Biographie über Marianne Vogelsang und regte an, die „Fünf Präludien“ durch Manfred Schnelle ein weiteres Mal auf einen Tänzer, in diesem Fall auf den Berliner Tänzer Nils Freyer, zu übertragen. Der Tanzfonds ERBE, eine Initiative der Bundeskulturstiftung, nahm die Vogelsang-Tänze in seine Liste der förderwürdigen Projekte auf.

     

    Leider verstarb Manfred Schnelle kurz vor Abschluss der Einstudierungsphase. Es erklärten sich die Tänzerin und ehemalige Interpretin der Vogelsang-Tänze, Michaela Isabel Fünfhausen sowie die Tanzpädagogin Prof. Ingrid Borchardt bereit, dem Tänzer Nils Freyer als choreographische Beraterinnen zur Seite zu stehen.

     

    Gemeinsam mit Ulrike Buschendorf als musikalischer Begleiterin konnten die „Fünf Präludien“ im Rahmen einer öffentlichen Probe im Theatersaal der Staatlichen Ballettschule Berlin erstmals in dieser Besetzung am 9. Juli 2016 erfolgreich aufgeführt werden. Eindrücke davon schildert eine Rezension von Volkmar Draeger auf tanznetz.de.

     

  • Mitwirkende

     

    Nils Freyer (Tanz), in Berlin geboren, ist Absolvent der Staatlichen Ballettschule Berlin und erwarb seinen Bachelor of Arts an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin. Er tanzte u.a. in Choreographien von Robert North, Marguerite Donlon und Torsten Händler. Nils Freyer unterrichtet Klassischen und Modernen Tanz – u.a. an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ und an vielen anderen Einrichtungen. Derzeit beschäftigt er sich intensiv mit dem Deutschen Ausdruckstanz des 20. Jahrhunderts.

     

    Ulrike Buschendorf (Klavier), in Erfurt geboren, studierte an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig Ballettkorrepetition und Improvisation, es folgten eine langjährige Tätigkeit als Begleiterin für Improvisation, Modernen Tanz und Klassischen Tanz u.a. an der Palucca Hochschule für Tanz Dresden sowie nationale und internationale Gastspiele. Weiterhin lehrt sie die Fächer Musik, Klavier und Tanzgeschichte u.a. im Studiengang Bühnentanz an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin und der Palucca Hochschule für Tanz Dresden.

     

     

     

     

     

     

     

                                            IN BESONDERER EHRUNG:

                                            MANFRED SCHNELLE (1935 bis 2016)

     

     

     

    „Der Weg von Manfred Schnelle (Einstudierung) durch die Tanzgeschichte der DDR war kurvenreich. Er erhielt 1956 sein erstes Engagement an der Staatsoper Dresden. 1967 wurde sein Vertrag nicht verlängert. Seit 1965 hatte er nicht nur das Publikum auf sich aufmerksam gemacht, als er anfing, in Kirchen zu tanzen. In der sich anschließenden unstetigen, mit Solotanzabenden angefüllten Zeit übertrug ihm Marianne Vogelsang von 1971 bis 1973 insgesamt fünf Tänze nach Präludien aus dem Wohltemperierten Klavier von Johann Sebastian Bach. Durch den Rostocker Ballettdirektor Joachim Ahne konnte Manfred Schnelle am dortigen Volkstheater engagiert werden – ab 1981 als Tänzer, von 1986 bis 1991 als Chefchoreograph des Tanztheaters. In dieser Zeit konnte er in der Bundesrepublik Deutschland die Landshuter Hochzeit inszenieren und ebenfalls in Kirchen tanzen. Am Volkstheater Rostock schuf er neben anderen Werken 1982 den Triumph der Liebe zu Musik von Jean-Baptiste Lully und 1987 die Uraufführung Kalevala. Als Grundidee des barocken Werkes Le Triomphe de l’Amour interessierte Schnelle die Überwindung von Hass, Gefühlskälte und Aggressivität, die Lösung menschlicher Konfliktsituationen durch die Erfahrung der Liebe. Die Beschäftigung mit historischem Tanz wurde Manfred Schnelles zweite künstlerische Tätigkeit. In Dresden gründete er nach der „Wende“ das Ensemble Dresdner Hoftanz, mit dem er Tänze der Renaissance und des Barock aufführt. Manfred Schnelle verstand den Tanz stets als Partner in künstlerischen Beziehungen zu den anderen Künsten, zu Wort, Musik und bildender Kunst.“

    Ralf Stabel, aus: „Krokodil im Schwanensee, Tanz in Deutschland seit 1945“

     

    Prof. Dr. Ralf Stabel (Wissenschaftliche Begleitung und Gastspielmanagement), in Berlin geboren, Publizist und promovierter Historiker, ist Leiter der Staatlichen Ballettschule Berlin und Schule für Artistik sowie Professor an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin.

     

    Robin Jung (Ko-Leitung und Finanzen), in Berlin geboren, erwarb sein Diplom im Studiengang Bühnentanz an der Palucca Hochschule für Tanz Dresden. Darauf folgte sein Engagement am Ensemble der Semperoper Dresden. Heute arbeitet er in der Geschäftsleitung eines international agierenden Mode-Labels.

     

    Michaela Isabel Fünfhausen (Künstlerische Beraterin) erhielt ihre Tanzausbildung an der Folkwang Hochschule Essen und an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Von 1989 bis 1995 war sie am Schauspielhaus Bochum unter Leitung von Reinhild Hoffmann engagiert. Seit 1995 entwickelt sie neben weiteren Engagements an der Oper Frankfurt, am Schauspielhaus Bochum, an der Deutschen Oper Berlin und an der Akademie der Künste Berlin eigene Inszenierungen und Choreographien. (weitere Informationen)

     

    Prof. Ingrid Borchardt (Künstlerische Beraterin) war Palucca-Schülerin von 1962 bis 1968. Nach Engagements am Deutschen Nationaltheater Weimar und am Opernhaus Leipzig folgte ein Hochschulstudium für Tanzpädagogik und Choreographie an der Theaterhochschule „Hans Otto“ Leipzig. Nach dem Diplom war sie an der Fachschule für Tanz Leipzig tätig und wechselte 1989 an die Palucca Schule Dresden. Im Jahr 2003 wurde sie dort Professorin für Modernen Tanz, Improvisation und Kindertanz. Seit ihrer Pensionierung nimmt sie weiterhin Lehrtätigkeiten sowie vielfältige Workshop- und Jurytätigkeiten wahr. Ingrid Borchardt war mit Manfred Schnelle durch Arbeit freundschaftlich verbunden.

     

    Prof. Dr. Peter Jarchow (Musikalischer Berater), in Rostock geboren – Studium (Klavier) an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin, Tätigkeit als Pianist und Improvisator an der Palucca Schule Dresden und an der Sächsischen Staatsoper Dresden, Lehrtätigkeit Theaterhochschule „Hans Otto“ Leipzig, Musikhochschule „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig und Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin, begleitete die Vogelsang-Präludien in der Interpretation von Manfred Schnelle, Sonja Zimmermann und Arila Siegert, leitete die Palucca Schule Dresden und als stellvertretender Ballettdirektor die Company der Sächsischen Staatsoper Dresden.

     

    Boris Michael Gruhl (Presse, Öffentlichkeit und Moderation), in Finow geboren, ist ein in Dresden lebender Autor und Kulturjournalist mit den Schwerpunkten Ballett, Tanz und Musiktheater. Er ist Mitglied der Jury des Sächsischen Tanzpreises.

     

  • Rezensionen


    Conecta IF

    IFB – Instituto Federal de Brasília

     

    Übersetzerin: Sofia Ralston

     

    Neueste Nachrichten

    Ein deutsches Gastspiel begeistert das Publikum der Conecta IF

    Veröffentlicht am 19.09.2017

     

     

     

     

    Klarheit der Bewegung im Raum zeichnet die „Fünf Präludien aus dem Wohltemperierten Klavier von J.S. Bach“ aus, einen Zyklus der deutschen Choreografin Marianne Vogelsang (1912-1973). Er wurde am Montag, dem 18. September, aufgeführt, dem ersten Tag der Conecta IF, die bis zum 23. September im Ulysses Guimarães Convention Center stattfindet. Die Pianistin Ulrike Buschendorf und der Tänzer Nils Freyer zeigten als Synthese aus Musik und Körperausdruck die von der Choreografin so gut erfassten menschlichen Gefühle.

     

    Der Tanzhistoriker Prof. Dr. Ralf Stabel, Direktor der Staatlichen Ballettschule Berlin, kündigte in seiner Einführung an, dass er in Kürze ein Buch über Leben und Wirken von Marianne Vogelsang veröffentlichen wird. Die Musikerin Ulrike Buschendorf ergänzte, wie hilfreich es für die Kreation des Zyklusʹ gewesen sein muss, dass die Choreografin zugleich hochmusikalisch war.

     

    Ralf Stabel wies zudem darauf hin, dass jeder Künstler, der über seine Zeit und die Welt nachdenkt, auch mit den Schaffensmotiven von Marianne Vogelsang in Berührung kommt.

    Auch 44 Jahre nach Entstehen des Zyklusʹ hat die Aufführung gezeigt, dass Kunst eine universelle und zeitlose Sprache ist. Das zahlreiche Publikum im Auditorium Alvorada feierte sie mit stehendem Applaus.

     

    Die Profis aus Berlin kamen eigens zur Conecta IF 2017, um das vom deutschen „Tanzfonds Erbe“ finanzierte Projekt vorzustellen. Möglich wurde die Teilnahme auch durch Kooperation der Staatlichen Ballettschule Berlin mit dem Instituto Federal de Brasília.

     

    Zuvor hatten die Gäste unter der Leitung von Ralf Stabel einen Workshop zum Thema „Der deutsche Ausdruckstanz“ gegeben. Er veranschaulichte den Teilnehmern, welch fundamentale Rolle dem modernen Tanz zukommt, weshalb Menschen tanzen und was der Tanz beim Zuschauer hervorruft.

     

    Inhalt des Workshops war auch die historische Bewahrung des deutschen Ausdruckstanzes, der elementare Fragen menschlicher Ausdrucksfähigkeit und von geschichtlichen Ereignissen wie den beiden Weltkriegen verhandelt.

     

    Tanz ist immer Spiegel der Gegenwart, sagte Ralf Stabel: „Ich glaube an die Rekonstruktion von Tanz als eine Form seiner Bewahrung.“

     

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    Veröffentlicht am 14.06.2017 in Neue Osnabrücker Zeitung

     

    Choreografie zu Bach-Präludien

     

    Von Marie-Luise Braun

     

     

     

     

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    Veröffentlicht am 4.10.2016 auf danceforyou.de

     

    Tänzerische Seelenreinigung

    Nils Freyer verwandelt sich Marianne Vogelsangs „Fünf Präludien“ von J.S. Bach an

     

    Von Volkmar Draeger

     

    Kurz vor ihrem Tod 1973 hat Marianne Vogelsang, eine Pionierin des Ausdruckstanzes, ihrem Schüler Manfred Schnelle „Fünf Präludien aus dem Wohltemperierten Klavier von J.S. Bach“ einstudiert. Schnelle bewahrte tanzend den Zyklus und übertrug ihn später mehreren Interpretinnen in Ost und West. Dass der Tanzhistoriker Ralf Stabel gerade an einem Buch über Vogelsang arbeitet, die, 1912 in Dresden geboren und bei Palucca ausgebildet, nach dem Krieg in Berlin eine eigene Schule gegründet hatte, bot den Anlass für eine weitere Übertragung – diesmal auf einen Absolventen seiner Schule. Glücklicherweise nahm der Tanzfonds ERBE die Vogelsang-Präludien in die Liste seiner förderwürdigen Projekte auf. Als Manfred Schnelle im Januar, kurz vor Einstudierungsende, verstarb, konnte Michaela Isabel Fünfhausen für die Feinarbeit an dem Zyklus gewonnen werden. Während des Bachfestes Dresden erlebte er im stilvollen Societaetstheater nun seine ausverkaufte Premiere.

    Im schwarzen Raum treten zwei Menschen in Dialog, noch ganz im Hintergrund Nils Freyer in Weiß für den Tanz, Pianistin Ulrike Buschendorf vorn rechts für die Musik. In es-, c-, b-, h- und g-moll stehen die Präludien, wie sie in dieser Reihenfolge Vogelsang gefügt hat, um in tänzerische Zwiesprache mit Raum, Klang und sich selbst zu treten. Ein Solo voller Nachdenklichkeit, Demut, auch Angst, voller Zögern und Wagen. Im Schreitcharakter des Anfangspräludiums umgreift die Gestalt den Raum, streichen Arme durch die Luft, falten sich Hände zum Gebet, senkt sich das Knie fast flehend dem Boden zu. Im Zentrum des schnellen zweiten Präludiums steht kreisendes Schreiten, sich verengend in Schneckenform, ein Wirbel im Erschrecken vor der eigenen Courage. Den flinken Läufen des Klaviers begegnet der Tanz mit Ruhe. Eckig gestaltet sich das mittlere Präludium, mit nervös winkligen Wendungen, dem Gegensatzpaar eng – weit, Linien durch den Raum, Kreuzformen, stets in organischer Korrespondenz mit den Akzenten der Musik.

    Kreisgänge füllen im vierten Präludium den sich erhellenden Raum, in den sich die Gestalt vorsichtig wagt, um sich wieder zurückzuziehen und dann den Mut für ein Weiter zu finden. Im tiefen Ausfall mit überkreuzten Armen findet die verinnerlichte Suche ihren Schlusspunkt. Das letzte Präludium überrascht zu versonnenem Klang mit Sprüngen und Drehungen: Der Mensch riskiert etwas, um demütig zu stürzen und sich wieder aufzurichten. In Pose Attitüde mit diagonal gestreckten Händen endet dieser Teil als beinah stolzer, sogar ein wenig trotziger Appell, sich in der Welt seinen Platz zu erobern. Damit jedoch endet nicht auch Vogelsangs Zyklus. Denn er lässt in Schnelles verfügter Redaktion die Präludien nochmals tanzen, doch in rückwärtiger Folge. Einzig Teil 5 als Spitze einer gedachten Pyramide wird nur einmal gezeigt. Mit Erreichen der Ausgangsposition des ersten Präludiums schließt sich auf gedanklich und formal zwingende Weise ein Kreis, ein Lebenskreis, wenn man so will. Alles Tun kehrt wieder an einen Ursprung zurück, könnte die Botschaft lauten.

    Choreografisch stehen die „Präludien“ als Summe eines intensiven, an Fehl- und Rückschlägen reichen Lebens, das ohne Hader, in Harmonie und innerem Frieden ausklingt. Ein Signaturwerk späten Ausdruckstanzes, das es zu bewahren gilt. Zusammen mit Ulrike Buschendorfs feinfühlig partnerschaftlichem Spiel hat sich Nils Freyer mit seiner feingliedrigen Gestalt die Kreation anverwandelt, ohne zu kopieren: weil die Suche nach sich selbst an keine Zeit, kein Alter, kein Geschlecht gebunden ist. Ein die Seele reinigendes und erhebendes Erlebnis.

     

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    Veröffentlich am 4.10.2016 in Dresdner Neueste Nachrichten und tanznetz.de

     

    Die „Bäche“ in Dresden

     

    Von Gabriele Gorgas

     

     

     

     

     

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    Veröffentlicht am 28.09.2016 in Dresdner Neueste Nachrichten

    (Vorankündigung der Premiere)

     

    Tanz als sensible Wahrnehmung

     

    Von Gabriele Gorgas / Interview mit Ralf Stabel

     

     

     

     

     

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    Veröffentlich am 11.07.2016 auf tanznetz.de von Preview am 09.072016 in der Staatlichen Ballettschule Berlin

     

    Späte Ehrung für eine Ausdruckstänzerin

    Annäherung an Marianne Vogelsangs „Fünf Präludien“ von J.S. Bach

     

    Was im Herbst im Dresdner Societaetstheater seine Premiere haben wird, das erlebte jetzt im Theatersaal der

    Staatlichen Ballettschule Berlin seine Voraufführung.

     

    Manchmal bestehen Leben und Kunst aus einer Reihe verketteter Zufälle. So auch im Fall der „Fünf Präludien aus dem Wohltemperierten Klavier von J.S. Bach“. Marianne Vogelsang, heute zu Unrecht fast vergessene Pionierin des Ausdruckstanzes, hat sie kurz vorm Tod 1973 ihrem Schüler Manfred Schnelle einstudiert und damit so etwas wie ein tänzerisches Testament hinterlassen. Schnelle, der „Kirchentänzer“ in der DDR, bewahrte tanzend diesen Zyklus und übertrug ihn dann im Lauf der Jahrzehnte mehreren Interpretinnen, unter ihnen Arila Siegert in Ost und Michaela Isabel Fünfhausen in West. Wieder einmal hat der Tanz verbindend gewirkt. Dass sich die Tradition der Übertragung von Tradition fortspinnen konnte, verdankt sich nun einem weiteren Zufall. Ralf Stabel, durch zahlreiche Publikationen ausgewiesener Tanzhistoriker, arbeitet gerade an einem Buch über jene Marianne Vogelsang, die, 1912 in Dresden geboren und bei Palucca ausgebildet, nach dem Krieg in Berlin eine eigene Schule gegründet hatte. Aus ihr ging durch Fusion mit der damaligen Fachschule für Tanz die Staatliche Ballettschule Berlin hervor, deren gegenwärtiger Leiter Stabel ist. Vogelsang unterrichtete nur kurzzeitig an dieser Schule. In Vorbereitung seiner Vogelsang-Biografie regte Ralf Stabel an, jenen Meisterzyklus durch Schnelle ein weiteres Mal übertragen zu lassen – diesmal einem Absolventen seiner Schule. Ein so mutiges wie vorwärts stürmendes Unterfangen: ein ausgebildeter Klassiker von heute auf dem Pfad des Ausdruckstanzes von gestern.

     

    Als nächster Glückszufall kam der Tanzfonds ERBE ins Spiel. Er nahm die Vogelsang-Präludien dankenswerterweise in die Liste der förderwürdigen Projekte auf – die Arbeit konnte beginnen. Dass Manfred Schnelle im Januar, kurz vor Einstudierungsende, verstarb, schien auch dem Projekt den Todesstoß zu versetzen. Wieder ein Glücksfall: Michaela Isabel Fünfhausen konnte für die Feinarbeit an dem Zyklus gewonnen werden. Was im Herbst im Dresdner Societaetstheater während des Bachfestes der Stadt seine Premiere haben wird, Marianne Vogelsangs „Fünf Präludien aus dem Wohltemperierten Klavier von J.S. Bach“, das erlebte jetzt im Theatersaal der Staatlichen Ballettschule Berlin, in deren Studios auch ein Großteil der Proben stattgefunden hatte, seine Voraufführung: vor Studenten, Pädagogen und den Mitgliedern des Förderkreises der Schule, der finanzielle Hilfe gewährt hatte.

     

    Im schwarzen Raum bei zunächst mattem Licht treten zwei Menschen in Dialog, noch ganz im Hintergrund Nils Freyer in Weiß für den Tanz, Pianistin Ulrike Buschendorf vorn links für die Musik: zwei Künste im gemeinsamen Konzert. In es-, c-, b-, h- und g-moll stehen die Präludien, wie sie in dieser Reihenfolge Marianne Vogelsang gefügt hat, um in tänzerische Zwiesprache mit Raum, Klang und letztlich sich selbst zu treten. Ein Solo voller Nachdenklichkeit, Demut, auch Angst, voller Zögern und Wagen. Im Schreitcharakter des Anfangspräludiums umgreift die Gestalt den Raum, streichen Arme durch die Luft, falten sich Hände zum Gebet, senkt sich das Knie fast flehend dem Boden zu. Im Zentrum des schnellen zweiten Präludiums steht Kreisen mit Frontveränderung, sich verengend in Schneckenform, ein Wirbel im Erschrecken vor der eigenen Courage. Den flinken Läufen des Klaviers begegnet der Tanz mit Ruhe: langsamen Attitüdentouren und Dehnung in den Raum hinein. Eckig gestaltet sich das mittlere Präludium, mit nervösen rechtwinkligen Wendungen, dem Gegensatzpaar eng – weit, Linien durch den Raum, Kreuzformen, jeweils in wunderbar organischer Korrespondenz mit den Akzenten der Musik. Scheint dieser Teil hingegeben auf dem Knie zu enden, erhebt sich der Tänzer unversehens und liefert sich stehend seinem Raum-Kosmos aus – und der fortführenden Suche nach sich.

     

    Kreisen ohne Frontveränderung en face, bald mit Wechsel des Vorn, füllt im vierten Präludium den sich erhellenden Raum, in den sich die Gestalt vorsichtig wagt, um sich wieder zurückzuziehen und dann den Mut für ein Weiter zu finden. Im tiefen Ausfall mit überkreuzten Armen findet die verinnerlichte Suche ihren Schlusspunkt. Das letzte Präludium überrascht zu versonnenem Klang mit Temps levés und Blindschiki en manège: Der Mensch riskiert etwas, um demütig zu stürzen und sich wieder aufzurichten. In Pose Attitüde mit diagonal gestreckten Händen endet dieser Teil als beinah stolzer, sogar ein wenig trotziger Appell, sich in der Welt seinen Platz zu erobern. Damit jedoch endet nicht auch Vogelsangs Zyklus. Denn er lässt in Schnelles verfügter Redaktion die Präludien nochmals tanzen, doch in rückwärtiger Folge. Einzig Teil 5 als Spitze einer gedachten Pyramide wird nur einmal gezeigt. Mit Erreichen der fixen Ausgangsposition des ersten Präludiums schließt sich auf gedanklich und formal zwingende Weise ein Kreis, ein Lebenskreis, wenn man so will. Alles Tun kehrt wieder an einen Ursprung zurück, könnte die Botschaft lauten.

     

    Choreografisch stehen die „Präludien“ als Summe eines intensiven, an Fehl- und Rückschlägen reichen Lebens, das dennoch ohne Hader, in Harmonie und innerem Frieden ausklingt. Ein Signaturwerk späten Ausdruckstanzes, das es zu bewahren gilt. Zusammen mit Ulrike Buschendorfs musterhaft feinfühligem, ganz partnerschaftlichem Spiel hat sich Nils Freyer, ein junger Tänzer mit feingliedriger Gestalt, eine Kreation von 1973 anverwandelt, ohne lediglich zu kopieren: weil die Suche nach sich selbst an keine Zeit, kein Alter, kein Geschlecht gebunden ist. Kein Veranstalter mit geeignetem Aufführungsort, ob Theater oder künstlerisch nutzbare Kirche, sollte sich nach der Premiere dieses die Seele reinigende und erhebende Erlebnis entgehen lassen.   V.D.

     

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    Veröffentlichung im KULTUR REPORT, Ausgabe 3.2016

     

    Die letzte Bewegung eines Tanzes

    Fünf Präludien aus dem Wohltemperierten Klavier beim Bachfest 2016 in Dresden

     

    Von Boris Gruhl, Dresden Autor, Kulturjournalist

     

     

     

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    Veröffentlichung im KULTUR REPORT, Ausgabe 3.2016

     

    Die große Unbekannte des modernen Tanzes: Marianne Vogelsang

     

    Von Prof. Dr. Ralf Stabel, Direktor der Staatlichen Ballettschule Berlin und Schule für Artistik

     

     

     

     

  • Aufführungen


    Donnerstag, 9. November 2017 um 19:30 Uhr, euro-scene Leipzig, Theater der Jungen Welt, Leipzig

    (gefördert durch die TANZFONDS ERBE-Gastspielförderung)

    »Von Serenata zum Totentanz«

    Rekonstruktionen historischer Tanzstücke

    von Gret Palucca, Marianne Vogelsang & Mary Wigman

    Eintritt: 24,00 € (erm. 19,00 €)

    Reservierungen: euro-scene

     

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    Mittwoch, 8. November 2017 um 19:30 Uhr, euro-scene Leipzig, Theater der Jungen Welt, Leipzig

    (gefördert durch die TANZFONDS ERBE-Gastspielförderung)

    »Von Serenata zum Totentanz«

    Rekonstruktionen historischer Tanzstücke

    von Gret Palucca, Marianne Vogelsang & Mary Wigman

    Eintritt: 24,00 € (erm. 19,00 €)

    Reservierungen: euro-scene

     

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    Montag, 2. Oktober 2017 um 21:00 Uhr und 22:00 Uhr, Dom Güstrow

    Eintritt Vorverkauf: 6 €, Abendkasse: 8 €

    Reservierung nicht erforderlich

     

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    Montag, 18. September 2017, 17:30 Uhr, Centro de Convenções Ulysses Guimarães, Brasilien

    (gefördert durch die TANZFONDS ERBE-Gastspielförderung)

    Auditório Alvorada

     

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    Dienstag, 19. September 2017, 10:30 Uhr, Centro de Convenções Ulysses Guimarães, Brasilien

    (gefördert durch die TANZFONDS ERBE-Gastspielförderung)

    Auditório Planalto

     

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    Montag, 12. Juni 2017 um 19:30 Uhr, Emma-Theater Osnabrück

    (gefördert durch die TANZFONDS ERBE-Gastspielförderung)

    Eintritt: 21,65 €

    Reservierungen online: Emma-Theater-Osnabrück oder Kartentelefon: 0541/7600076

     

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    Freitag, 16. Juni 2017 um 19:30 Uhr, Emma-Theater Osnabrück

    (gefördert durch die TANZFONDS ERBE-Gastspielförderung)

    Eintritt: 21,65 €

    Reservierungen online: Emma-Theater-Osnabrück oder Kartentelefon: 0541/7600076

     

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    Mittwoch, 7. Dezember 2016 um 18:00 Uhr im Theatersaal der Staatlichen Ballettschule Berlin

    Der Eintritt ist frei.

    Reservierungen für die Veranstaltung am 7.12.16 sind leider nicht mehr möglich.

     

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    Donnerstag, 29. September 2016 Premiere um 20:00 Uhr im Societaetstheater Dresden

    Eintritt: 16,- € / 12,- € erm.

    Tickets: An den Vorverkaufskassen, unter www.reservix.de und an der Abendkasse

    Informationen: www.bachfest-dresden.de / www.societaetstheater.de

     

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    Freitag, 30. September 2016 um 20:00 Uhr im Societaetstheater Dresden

    Eintritt: 16,- € / 12,- € erm.

    Tickets: An den Vorverkaufskassen, unter www.reservix.de und an der Abendkasse

    Informationen: www.bachfest-dresden.de / www.societaetstheater.de

     



  • Impressum


    Verantwortlich für den Inhalt der Website:

    Nils Freyer und Ulrike Buschendorf

    info@vogelsang-praeludien.de

     

    Gestaltung der Website & techn. Umsetzung:
    "layoutlabor" Dieter Raupach

    office@layoutlabor.de

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    Postanschrift:

    Nils Freyer, Martin-Luther-Str.127, 10825 Berlin

    Ulrike Buschendorf, Crusemarkstr. 35, 13187 Berlin

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    Haftungsausschluss

     

    1.

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